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Alles rund um den antiken Esstisch


„Zu Tisch bitte“: Der Siegeszug eines Möbelstücks


Zahlreiche Redewendungen verweisen darauf, dass es sich beim Esstisch um ein besonderes Möbelstück handelt. Die „Füße unter den Tisch stellen“ drückt etwa ein Abhängigkeits- und Besitzverhältnis aus, „sich an einen Tisch setzen“ bedeutet, eine Streitfrage auszuhandeln, jemanden „über den Tisch ziehen“ heißt ihn betrügen. Viele andere Beispiele wären möglich. Gemeinsam ist all diesen Ausdrücken, dass sie die herausragende soziale Relevanz dieses Mobiliars betonen. Der Esstisch erscheint stets als ein wichtiger sozialer Bezugspunkt, der sowohl im Mittelpunkt gesellschaftlicher Anlässe steht als auch Hierarchien und soziale Positionen ausdrückt. Dementsprechend ist dieses Möbelstück auch ein Spiegel gesellschaftlicher Zustände im Lauf der Geschichte. Es ist daher spannend, sich mit den vielfältigen Formen zu befassen, die antike Esstische angenommen haben. Aus diesem Grunde haben auch viele namhafte Designer den Esstisch als künstlerisches Objekt entdeckt, wobei sie ihre Inspirationen oft aus historischen Vorläufern beziehen. In Museen sind Möbelensembles häufig um Tische herum gruppiert, wobei spezifische Bauweisen, Verarbeitungstechniken, Formen und Dekorationen des Esstischs eine Menge über das jeweilige Thema verraten.
Diese vielfältigen Aspekte legen es nahe, dem Möbel, das in Kennerkreisen unter der Bezeichnung "Esstisch Antik" bekannt ist, besondere Aufmerksamkeit zu widmen. Der folgende Text befasst sich dabei mit den verschiedenen Ausdrucksformen antiker Esstische in Vergangenheit und Gegenwart. Themen sind hierbei der historische und gesellschaftliche Kontext,  die Entstehungsgeschichte, Epochen, typische Holzarten, selbstverständlich Informationen für Sammler sowie der antike Esstisch als modernes Design und als Stilmittel in Raumkonzeption und Interieur.


Entstehung und Begriffsklärung

Bereits in der griechischen und römischen Antike waren Esstische zu Repräsentationszwecken bekannt. Der neuhochdeutsche Begriff „Tisch“ leitet sich aber aus dem lat. „discus“ bzw. dem griech. „diskos“ ab, was so viel wie flache Schüssel, Platte oder Wurfscheibe bedeutet. Im germanischen Sprachraum hat sich dies etwa in „tisc“ (althochdeutsch) oder „tisch“ (mittelhochdeutsch) niedergeschlagen, in „disk“ (altsächsisch), „disc“ (altenglisch) oder auch in „dish“ (englisch). Dass diese ursprüngliche Wortbedeutung zum heutigen „Tisch“ wurde, ist eine Folge germanischer Sitten: Eine kleine hölzerne Platte, die auf einem Gestell stand und von Person zu Person gereicht wurde, diente zeitgleich als Tisch und als Essschüssel.


Aspekte des antiken Esstisches im historischen  und gesellschaftlichen Kontext


Der antike Esstisch als Ausdruck der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Ständeordnung

Um das Thema zu verstehen, ist ein historischer Exkurs notwendig:
Seit dem Herrschergeschlecht der Karolinger differenzierte sich die europäische Gesellschaft in drei Stände aus: Geistliche (1. Stand), Adel (2. Stand) und Bauern und Bürger (3. Stand). Dabei waren alle Stände durch spezifische Lebensformen charakterisiert, wie u.a. alte Esstische aufzeigen.

Klerus

Im klösterlichen Leben nahm der Aspekt der Gemeinschaft eine besondere Rolle ein. Dreimal am Tag versammelte man sich am Klostertisch, um gemeinsam die Mahlzeiten einzunehmen. Die lange Form dieser antiken Massivholz-Esstische mit dem typisch rustikalen Charakter ermöglichte das Pflegen des Gemeinschaftsgedankens. Oft handelte es sich bei alten Klostertischen um antike Ausziehtische, die die Option bargen, noch mehr Platz zu schaffen, falls es notwendig sein sollte. Die imposante Form dieser Möbel schuf automatisch einen Mittelpunkt im Raum und unterstrich so den Aspekt des Zusammenhalts. Kräftige Stempelfüße mit Querverstrebungen betonten diesen Charakter noch zusätzlich. Aufgrund ihres Charmes, der aus der Verwendung natürlichen Hartholzes wie Eiche und der speziellen Verarbeitung resultiert, sind Klostertische auch in der heutigen Gastronomie sehr beliebt.

Adel

Der Adel war nach mittelalterlicher Definition der Stand, der Land, Leute und Glauben verteidigen sollte. Obwohl es durchaus das Phänomen des verarmten Adels gab, so finden sich doch gerade im Umfeld dieser gesellschaftlichen Schicht Exemplare von antiken Esstischen, die der Repräsentation dienten und entsprechend kunstvoll gefertigt waren. Diese alten Tische zeigen beispielsweise Baluster mit typisch stark profiliertem Schaft und bauchiger Mitte, wie sie seit der Antike Möbel mit repräsentativem Charakter zierten. Geschnitzte Löwenfüße, Volutenbeine mit schneckenförmiger Ornamentik oder geschwungene Beine waren andere künstlerische Verarbeitungen. Der künstlerische Aspekt dominierte bei diesem Möbelstil klar den funktionalen. Die langen Tafeltische, an denen gepflegt gespeist wurde, bestanden aus erlesenem Massivholz und waren reich geschmückt mit eleganten versilberten oder vergoldeten Beschlägen, die Reichtum ausdrücken sollten.

Bauern

Es liegt auf der Hand, dass die einfachen Bauernesstische ursprünglich rein praktischen Zwecken dienten. Hier versammelte sich die Bauernfamilie morgens und abends, um gemeinsam zu speisen, das Kopfende war dabei als Ausdruck der Autorität dem Bauern vorbehalten. Diese antiken Esstische aus Holz bestanden oft aus billigerem Weichholz wie Fichte oder Tanne. Als Ausgleich waren sie häufig mit aufwendigen Malereien verziert. Falls es sich um einen reichen Bauernhof handelte, waren die Tische manchmal auch vergoldet oder versilbert. Als Vorbilder dienten hierbei reiche Klöster und Adelsschlösser.
In einigen Fällen saß das Gesinde, das auf dem Hof lebte, mit am Bauerntisch, oft aber hatte dieses einen eigenen Gesindetisch. Diesen säumten rechts und links Bänke; außerdem war dieser einfacher gearbeitet als der Bauerntisch.
Sowohl Bauerntische als auch Gesindetische sind bei Sammlern als Ausdruck einer ursprünglichen, natürlichen Lebensweise sehr begehrt. Dies gilt auch für klassische Wirtshaustische.

Bürgertum

Bereits in der mittelalterlichen Gesellschaft gab es ein heterogenes Bürgertum, das aus Handwerkern und Kaufleuten bestand. Stilprägend wurde diese Gesellschaftschicht allerdings erst im Zuge der bürgerlichen Revolution, die in Deutschland im 19. und 20. Jahrhundert stattfand. Um sich von der Oberschicht und der unteren Schicht der Lohnarbeiter abzugrenzen, entwickelte das Bürgertum unter anderem eine eigene Wohnkultur. Elegante Salontische, wo nachmittags Kaffee getrunken und Gesellschaft empfangen wurde, Tische mit dreipassigem Fuß und runde Esstische mit Mittelfuß sind ein Ausdruck dieser klassenspezifischen Lebensweise. Auch Kulissentische, die Platz boten für eine größere Familie oder Gesellschaft, oder ausziehbare Säulentische findet man häufig in diesem Zeitraum. Kennzeichnend für die bürgerliche Wohnform war das Bestreben nach individuellem Wohnen, abseits der industriellen Massenproduktion. Beliebte Materialen waren z.B. Nussbaum oder Kirsche, zum Teil aber auch edlere Hölzer wie Mahagoni, deren Wertigkeit durch handpolierte Oberflächen zum Ausdruck kam.

Möbelstile nach Epochen

Neben der Klassifizierung von Möbeln nach gesellschaftlichen Schichten lassen sich Stile selbstverständlich auch nach Epochen gliedern, wobei die Übergänge oft fließend sind. Dieser Überblick soll helfen, die wichtigsten Möbelstile in Deutschland nach ihren typischen Elementen einzuordnen:

Barock (1600-1750)    
künstlerische Ausfertigung vor Funktionalität; gebauchte Flächen und geschwungene Linien, poliertes Holz, Einlegearbeiten wie Schildpatt oder Halbedelsteine; Möbel hauptsächlich zu Repräsentationszwecken

Rokoko (Spätbarock, 1730-1770)    
vergoldete Zierbeschläge, Asymmetrie, muschelförmige Schnitzereien

Klassizismus (1750-1830)    
Abkehr vom Barock, Rückgriff auf die Antike; Formen sind streng symmetrisch, Motive aus Flora und Fauna, Harthölzer, Mahagoni und Edelholzfurniere als Materialien, gerade Beine mit rundem Querschnitt

Biedermeier (späte Form des Klassizismus, 1815-1848)    
Formen sind sehr einfach, Furniere aus heimischen Obstbäumen (Kirsche, Nussbaum, etc.), natürliche Maserungen als Muster, Beschläge werden nur sparsam eingesetzt; Möbel dienen vorwiegend dem familiärem (bürgerlichen) Leben und nicht der Repräsentation

Historismus (1850-1910), Gründerzeit (nach 1871)    
das „zweite und dritte Rokoko“: Bürgertum der Gründerzeit will Reichtum zur Schau stellen; prächtigere Möbel, die ihr Vorbild in vergangenen Epochen haben, Formen sind üppig, Muschelornamente, Säulen

Jugendstil (Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert, auch „Art Nouveau“ oder Sezessionsstil genannt)    
schwingende Linien, dekorativ und flächig, häufig Asymmetrie, Natur-Ornamente, Möbel selbst einfach konstruiert; Abkehr von Industrialisierung und Großstädten
    

Der antike Esstisch in modernen Raumkonzeptionen und Interieurs

Viele Menschen, denen die Hochwertigkeit ihres Wohnraums wichtig ist, kombinieren neue Design-Stücke mit Antiquitäten, wobei unter Antiquitäten Möbel zu verstehen sind, die mindestens hundert Jahre alt sind – so die Faustregel. Insbesondere der Jugendstil wird immer beliebter. Schwungvolle Linien, Blumenmotive und lebendige Flächen sind einige der Kennzeichen der Möbel dieser Epoche.
Dabei kommt es bei der Kombination von Alt und Neu auf die richtige Mischung an: Weniger ist oft mehr. Antike Esstische sind zum Beispiel gefragt, weil sie richtig eingesetzt schöne Akzente setzen. Dabei fällt auf, dass exklusive Design-Esstische, die antike Vorbilder haben, häufig puristisch und reduziert gestaltet sind. Inmitten eines minimalistischen Wohnraums kommt ein solcher antiker Esstisch besonders gut zum Tragen und wird zum gesellschaftlichen Mittelpunkt. Oft wird das klassische Design eines solchen Möbels jedoch auch mit modernen Elementen wie Tischbeinen mit Laufrollen oder konischen Vierkantfüßen mit der typisch quadratischen Form kombiniert, um den Gegensatz zwischen Neu und Alt zusätzlich zu unterstreichen.
Viele Anbieter von Möbeldesign offerieren sowohl modernes Mobiliar als auch Antiquitäten. Wer auf der Suche nach solchen Händlern ist, wird im Internet fündig. Der derzeit bekannteste deutsche Möbeldesigner, der sich auf Ess- und Couchtische spezialisiert hat, ist Draenert in Bayern. Esstische nach Maß bieten im Internet z.B. masstisch.de oder esstische.fab.com an.


Museen

Für Sammler ist es auf jeden Fall empfehlenswert, Museen zu besuchen, weil das Auge dabei für Merkmale echten Materials geschult wird. Alte Esstische sind hierbei häufig der Mittelpunkt eines Ausstellungsraums. Museen, die speziell Esstische ausstellen, gibt es zwar nicht, aber sehenswert ist z.B. das Bröhan-Museum in Berlin, das auf Jugendstil, Art Déco und Funktionalismus spezialisiert ist und in dem schöne Möbelensembles wie z.B. antike Küchentische mit allem, was dazugehört, oder antike Esstische aus Holz zu sehen sind. Dies ist deswegen erwähnenswert, weil viele Sammler auf der Suche nach Antiquitäten mit Jugendstil-Charakter sind. Je nach Epoche und Stilrichtungen gibt es jedoch auch viele weitere Ausstellungen, die einen Besuch lohnen. Eine umfassende Liste aller deutschen Museen gibt es beispielsweise bei Wikipedia.


Informationen für Sammler

Der Markt für Antiquitäten boomt, zum einen aufgrund von passionierten Sammlern, aber auch weil antike Möbelstücke wie alte Esstische eine gute Geldanlage sind. Um schönes Mobiliar zu finden, gibt es verschiedene Wege. Allerdings sollte man dabei beachten, dass Sachkenntnis notwendig ist, um echte Stücke von Tand zu unterscheiden, wie ihn manche gewiefte Händler anbieten. Gute Fälschungen machen es mitunter schwer, die Spreu vom Weizen zu trennen. Der Boom auf dem Antiquitätenmarkt hat außerdem dafür gesorgt, dass mehr Fälschungen denn je in Umlauf sind.
Der klassische Weg, um einen eine Antiquität zu finden, die bei Sammlern als "Esstisch Antik" bekannt ist, ist der Besuch von Auktionen. Doch auch auf Flohmärkten kann man echte Schnäppchen machen, weil die Besitzer zum Teil nicht wissen, was sie anbieten. Außerdem lohnt es sich in Internetportalen wie eBay die Anzeigen zu durchforsten. Manchmal ist bei Haushaltsauflösungen etwas Interessantes dabei. Im Internet genügt das Schlagwort "Esstisch Antik", um gute Ergebnisse gelistet zu bekommen.
Daneben gibt es auch spezialisierte Händler, die eine große Bandbreite an alten Esstischen anbieten, und die auch im Internet präsent sind. Hier wären zum Beispiel antiquitaeten.com zu nennen. Der Vorteil dabei ist, dass man sich die Möbel sowohl auf Bildern als auch in der Realität anschauen kann.

Bleibt abschließend noch die Frage zu klären, weshalb ein antiker Esstisch überhaupt so begehrt ist. Warum so viele passionierte Sammler Antiquitäten zu ihrer großen Leidenschaft gemacht haben, hat einer von ihnen treffend ausgedrückt: „Antiquitäten haben Seele.“ Sie bauen eine faszinierende Brücke vom Gestern ins Heute. Längst vergangene Zeiten stehen durch sie wieder auf und laden zur Teilhabe am Leben vergangener Generationen ein. In diesem Sinne: „Zu Tisch bitte!“

 

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