Empire und Biedermeier Mobiliar im Vergleich



Das Empire fällt in die Regierungszeit Napoleon Bonapartes. Zwischen 1804 und 1815 entstanden repräsentative, prunkvolle Möbelstücke, die sich ausgehend vom höfischen Umfeld auch in bürgerlichen Kreisen durchsetzten. Das Biedermeier gilt hingegen als ausgesprochen bürgerlicher, von schlichten und funktionalen Designs gekennzeichneter Stil. Biedermeier Möbel verbreiteten sich von 1815 an von Österreich und Deutschland über ganz Europa. Mit dem damals propagierten Rückzug ins Privatleben scheint eine neue Zeit begonnen zu haben, doch die Möbelkunst beider Epochen weist trotz etlicher Unterschiede auch Gemeinsamkeiten auf.

Empire Möbel

Empire Möbel zeichnen sich durch majestätische, massive Proportionen und reiche, aber symmetrisch angeordnete Schmuckelemente aus. Derlei Formen gehen unmittelbar aus den vorherigen Stilen des Louis-seize und des Directoires hervor.
Kommoden, Schränke oder Sekretäre wirken kastenartig, erhalten jedoch durch vergoldete Beschläge – vornehmlich Palmwedel, Blätter, Blüten, Tiere oder Figuren aus der antiken Mythologie – Dynamik: Sämtliche Flächen wurden strukturiert und aufgelockert. Die Möbelkanten betonte man mit vorgesetzten Ziersäulen: Auch dies sorgte für Eleganz. Vergleichbar besitzen Stühle und Sessel mit hohen, gepolsterten Rechtecklehnen und rechtwinklig ansetzenden Armstützen eine würfelförmige Gestalt. Doch plastischer Schmuck an Streben und Zargen, mit Arabesken und Blumenmustern bedruckte Polsterstoffe oder geschwungene, mit zierlichen Löwenfüßen abschließende Vierkantbeine verleihen den damaligen Sitzmöbeln eine gewisse Leichtigkeit.
Möbel aus der Empire Zeit wurden bevorzugt aus Mahagoni und Ebenholz gefertigt. Ebenso gern verwendete man für Tischplatten und für die Oberflächen von Kommoden oder Sekretären Marmor. Als Dekor setzten Möbelgestalter nicht allein goldene Applikationen, sondern gleichfalls Intarsien und Marketerien ein. Auch ebonisierte Hölzer sind zu finden: beispielsweise als Kontrast an Stuhl- und Tischrahmungen oder als Material für kunstvoll geschnitzte Stützstreben. Beliebt waren Zentauren, Sphinxe oder tanzende Vestalinnen. Weiterhin tauchten an den Lehnen von Stühlen oder Sesseln stilisierte Schwanenköpfe und -körper auf. Die Ziersäulen und Pilaster an Schränken oder Kommoden trugen nicht allein dekorative Kapitelle, sondern wurden häufig zu so genannten Hermen – zu figürlichen, manchmal nur als Büsten angelegten Darstellungen – geformt.

Charakteristische Erkennungszeichen des Empires sind:
  • klare, geometrische Formen
  • Bezug auf die Antike
  • architektonische Gliederungselemente, beispielsweise Sockelbereiche, Gesimse, Pilaster und Säulen
  • Applikationen aus vergoldeter Bronze
  • dekorative Interasien oder Marketerien
  • aufwändige Schnitzereien
  • ein edler und prachtvoller Gesamteindruck


Möbel aus der Biedermeier-Epoche

Die Möbel des Biedermeiers lehnen sich ihrerseits an geometrische Grundformen an. So entstanden quaderförmige Kommoden, kastenähnliche Schränke, halbrunde Konsoltische oder Esstische mit ovalen Platten und konisch zulaufenden Säulenfüßen. Ausschlaggebend war jedoch stets eine angenehme, wohnliche Ausstrahlung. Zugleich tendierte man zu praktischen, aber eleganten Kleinmöbeln: darunter Beistelltische, Nähtische, Nachtschränkchen oder Blumenkonsolen.
Dekorativer Schmuck fand nur noch sparsam Verwendung. Die Zeiten vergoldeter Beschläge, prächtiger Schnitzereien und auffälliger Intarsien waren vorbei: Möbelbauer griffen in erster Linie zu Band- oder Fadeneinlagen aus farblich kontrastierendem Holz, die in schlichter Eleganz um Tischplatten, Zargen, Schubladen oder Schrankfronten herumliefen. Dennoch fertigten sie hin und wieder Kommoden mit niedrigen, massiven Tatzenfüßen oder Stuhlbeine mit kleinen Löwenklauen: Beide Formen stammen aus dem Empire. Gleichfalls setzten Kunsthandwerker auf architektonische Schmuckelemente. Etliche Kommoden und Schränke trugen an den Kanten zierliche Säulen, Schränke ihrerseits wurden mit Gesimsen strukturiert und schlossen manchmal mit kleinen Giebeln.
Stühle weisen oftmals anmutig geschwungene Vierkantbeine und Rückenlehnen mit geschweiften Schulterbrettern, kunstvollen Durchbrüchen, ornamentalen Schnitzereien oder Lyra-Motiven auf. Die Sitzflächen und mitunter auch die Lehnen wurden bequem gepolstert. Als Polsterstoffe setzten sich einfarbige oder gestreifte Bezüge durch. Gegebenenfalls wurde das Design mit dezenten Blumenmustern angereichert.
Zu den am häufigsten eingesetzten Hölzern gehörten Kirsche und Nussbaum. Teures Material wie Mahagoni wurde bevorzugt als Furnier auf das Blindholz aufgelegt. Da man zugleich auf verschwenderische Goldapplikationen verzichtete, gelangten Biedermeier Möbel zu erschwinglicheren Preisen als noch im Empire auf den Markt. Weniger edel wirken sie trotzdem nicht: Gerade durch reduzierte Dekorationen lenkt nichts von der Schönheit der glanzpolierten Holzoberflächen ab.

Typische Merkmale des Biedermeiers sind:
  • geometrische Formen und Flächen
  • architektonische Komponenten, darunter Sockelzonen, Zierfriese, Gesimse, Säulen und Pilaster
  • sparsam eingesetzter Schmuck
  • zurückhaltende Schnitzereien
  • dezente Intarsien und Ebonisierungen
  • sachliche Funktionalität, dennoch aber ein eleganter Gesamteindruck


Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Der grundlegendste Unterschied zwischen Empire und Biedermeier liegt im Gegenüber von imposantem Prunk und sachlichen Designs ohne überflüssiges Beiwerk. Gleichfalls allerdings zeichnen sich beide Epochen durch stilistische Parallelen aus.
Sowohl im Empire als auch im Biedermeier wurden geometrisch geformte Möbel gefertigt und dekorative Elemente eingesetzt, die eigentlich der Architektur entstammen. Neben Säulen, Simsen und Giebeln finden sich Gemeinsamkeiten wie geschweifte Vierkantbeine und Ebonisierungen. Weiterhin wurden aus dem Empire überlieferte Details wie zu Tiertatzen geschnitzte Möbelfüße weitergeführt. Zwar verlieren sich die im Empire üblichen Anleihen an die Antike, doch mit Lyra-Motiven an Stuhllehnen, Tischen oder Möbelfronten kommt eine Einzelform des antiken Griechenlands auch im Biedermeier zur Geltung.
Darüber hinaus sind im Gesellschaftsleben keine klaren Grenzen zwischen dem gemeinhin als „aristokratisch“ bezeichneten Empire und dem schlichten, bürgerlichen Biedermeier zu ziehen. So richtete sich das Bürgertum durchaus repräsentativ ein, der Adel seinerseits griff zu Möbeln von vornehmer Bescheidenheit.


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